copyright by FOOD COACHING Nicole Hoenig, Eppendorfer Landstraße 98d, 20249 Hamburg

letzte Aktualisierung: 10.1.2020

Von Selbsthass und Selbstliebe - das Bild vom eigenen Körper

Magst Du Dich und Deinen Körper? Würdest Du Dich vor den Spiegel stellen, Dir in die Augen sehen und bedingungslos sagen "Ich liebe dich, so wie du bist"?


Wir alle haben irgendetwas an uns auszusetzen. Zu viele Speckröllchen, zu dicke Beine, zu wenig Brust, zu viel Brust, zu großer Po, zu kleiner Po, Schwabbelärmchen, Tränensäcke, Schlupflider, unreine Haut, zu blass, zu spitze Nase, zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn...


"Das Körperbild ist die geistige Vorstellung, die ein Mensch von seinem Körper und seiner Attraktivität hat. Es ergibt sich aus Interaktion zwischen dem Körper, der Psyche, dem persönlichen Werdegang der betreffenden Person und ihrer Umgebung."*

Häufig ist unser Selbstbild verzerrt und geprägt durch Erfahrungen und Vorstellungen. Influencerinnen auf Instagram und Facebook posten Bilder von (scheinbar) makellosen und durchtrainierten Körpern, die nur ein geringer Prozentsatz der Follower tatsächlich jemals wird erreichen können, weil dazu großer Verzicht und viel Disziplin notwendig ist. Die mit Fotoshop bearbeiteten Bilder aus den Magazinen, die Magermodels auf den großen Laufstegen - sie alle tragen dazu bei, in den Köpfen der Betrachter ein Bild des weiblichen Körpers zu erzeugen, das fern der Realität und nahezu unnatürlich ist.


Weitere Einflüsse, die das Körperbild prägen, können schon in der Kindheit dazu beitragen, dass ein Ideal angestrebt wird, das eigentlich gar nicht zu uns passt. Hänseleien in der Schule, Leistungsdruck im Elternhaus, Vergleiche mit anderen, die scheinbar besser sind als man selbst, und die natürlichen körperlichen Veränderungen in der Pubertät oder in der Schwangerschaft können dazu führen, dass man sich irgendwann fremd im eigenen Körper fühlt und unbedingt ganz anders sein möchte.


Schlank heißt nicht gleich gesund


Etwa 50% der Frauen und 40% der Männer, die sich für zu dick halten, haben in Wirklichkeit ein gesundes Gewicht. Und auch wer schlank ist, kann durch einen ungesunden Lebensstil einen schlechteren Gesundheitszustand haben als jemand, der sich gesund ernährt und viel bewegt, aber eben "ein paar Kilos zuviel auf den Rippen" hat.


Ob das Körperbild nun der Realität entspricht oder nicht - problematisch wird es, wenn die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper so groß wird, dass diese in Selbsthass umschlägt. Menschen mit einem verzerrten Körperbild meiden häufig Spiegel oder Schaufenster sowie Situationen, in denen sie ihren Körper zeigen müssen, z.B. im Schwimmbad oder am Strand.


Selbsthass führt zur Bestrafung


Selbsthass ist die stärkste Form der Selbstablehnung. Nicht nur ein negatives Körperbild kann dazu beitragen, sondern auch Schuldgefühle jeglicher Art. Im schlimmsten Fall führt Selbsthass zu Selbstbestrafung, z.B. durch Selbstverletzungen oder einer Essstörung. Der bewusste Entzug von Nahrung ist wohl (neben der bewussten Verletzung des Körpers) die schlimmste Form von Bestrafung, die wir uns antun können.


Viele meiner Patientinnen mit einer Essstörung schaffen es nicht mehr, sich selbst anzunehmen, zu mögen oder gar zu lieben. Sie haben den Blick für die positiven Seiten ihres Körpers verloren und finden sich selbst dann noch zu dick, wenn die Waage längst ein bedenkliches Untergewicht zeigt.



Das Bild vom eigenen Körper ist häufig verzerrt. Wer täglich mit Übungen zum Thema Selbstliebe "trainiert", kann lernen, sich und seinen Körper wieder anzunehmen und zu mögen.


Selbstliebe als Schritt zur Genesung


Leider haben wir keinen Schalter im Kopf, mit dem wir von Hass auf Liebe umschalten können. Wer sich auf den Weg zu mehr Selbstliebe und damit auf den Weg der Genesung begibt, stößt zunächst auf Widerstände. Sich selbst anzunehmen und anzuerkennen fällt erst einmal sehr schwer. Ich vergleiche den Weg dorthin mit einem Trainingsplan im Fitnessstudio. Nur das beständige Training führt dort langfristig zum Erfolg. Und so wie auch die Muskulatur wieder abnimmt, wenn wir sie nicht regelmäßig trainieren und pflegen, so ist der Weg zur Selbstliebe ein Weg, der uns unser ganzes Leben lang begleiten sollte. Übungen zu mehr Akzeptanz sollten zu einem gesunden Lebensstil ebenso dazugehören wie gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung.


Die Spiegelübung als tägliches Training für mehr Liebe zu dir selbst


Ich möchte hier eine Übung der amerikanischen Autorin Louise Hay vorstellen, die sich nach einer schweren Erkrankung intensiv mit der Wirkung von positiven Gedanken und Affirmationen auf die Gesundheit beschäftigt hat. Ihre "Spiegelübung" ist weltweit bekannt und wird in vielen Coachings zum Thema Selbstliebe eingesetzt.


Mit dieser Übung kannst du dir die Hand reichen und dich selbst umarmen, damit du dich wieder als Ganzes und dazugehörig fühlst.


Übung


Suche dir einen Raum, in dem ein Spiegel hängt.

Du solltest in diesem Raum ungestört sein und dich sicher fühlen.

Schaue dich im Spiegel an, ohne zu urteilen.

Schaue dir selbst in die Augen.

Lasse ein sanftes Lächeln entstehen.

Wenn du magst, begrüße dich leise oder laut:

„Liebe (Name), ich sehe Dich.

Das bist Du.

Ein ganz normaler Mensch mit Stärken und Schwächen.“


Lasse dich für die nächsten Momente genau so sein, wie du jetzt bist.

Wünsche dir dich nicht anders.

Höre für einen Moment auf, dich oder deinen Körper zu bekämpfen.

Waffenstillstand!


Ganz genau so! Ein ganzer Mensch, kein halber.

Vollkommen in seiner Unvolllkommenheit.

Wie wir alle.


Betrachte dich mit dieser Haltung für ein paar Momente im Spiegel.

Wie fühlt sich das an?


Wenn du dich ein wenig an diese Übung gewöhnt hast, kannst du dir im nächsten Schritt sagen: „Ich liebe dich! Ich liebe dich wirklich!“


Du kannst bei der Spiegelübung auch mit anderen Affirmationen arbeiten wie:

„Ich bin gut, so wie ich bin!“ oder

„Ich liebe mich, so wie ich bin.“


Du kannst dir die Übung hier als PDF herunterladen und ausdrucken.


Probiere sie aus und schau, was sie mit dir macht!



Und allen, die Lust haben, mehr zum Thema Körperbild zu erfahren, kann ich den Dokumentarfilm "Embrace" nur wärmstens ans Herz legen. Er beschreibt den Weg einer Frau, die ihren Körper nach drei Schwangerschaften hasste und einen Weg gefunden hat, sich aus dem eigenen Anspruchsdenken und der Selbstkasteiung zu befreien, weil sie einfach nicht mehr eingesehen hat, warum sie dem gängigen Körperbild aus den Medien unter so großem Aufwand entsprechen sollte.

Der Film begleitet sie auf ihrer Reise um die Welt, im Gespräch mit vielen Frauen, die ein Thema mit ihrem Körper haben.






*Definition aus: "Das kleine Übungsheft - Frieden schließen mit dem eigenen Körper" von Anne Mahres & Maggie Oda, Trinity Verlag 2015