Bewusst den Herbst genießen

Aktualisiert: 1. Aug 2019

Das Wetter zur Zeit macht uns schmerzhaft bewusst, dass wir uns nun tatsächlich vom Sommer verabschieden müssen. Es ist fast Ende Oktober - so einen langen Sommer hatten wir wirklich lange nicht.

In Gesprächen der letzten Tage stelle ich nun folgendes fest:

Da gibt es Menschen wie mich, die zwar ein Faible für wechselnde Jahreszeiten haben, aber auch nichts dagegen hätten, wenn die Temperaturen übers Jahr nie unter 10 Grad fallen würden.

Und dann gibt es die, die froh sind, dass der Sommer endlich vorbeigeht, es bald mal wieder knackig kalt wird, und die bereits jetzt den ersten Schnee herbeisehnen. 

Irgendwas dazwischen ist mir kaum begegnet.

Selten wird so viel geklagt wie übers Wetter. Doch das ist nunmal (fast) die einzige Sache, die wir nicht beeinflussen können. Auch wenn ich selbst die wärmeren Temperaturen bevorzuge, so versuche ich, mich auf den Herbst einzustellen, mich in diese Jahreszeit einzufühlen und ihre wunderschönen Seiten wie jedes Jahr wieder neu zu entdecken. Heute lade ich auch Dich ein, den Herbst von der genießerischen Seite zu betrachten.


Typische Lebensmittel im Herbst


Typisch für den Herbst sind für mich vor allem Kürbis, Maronen, Weintrauben und Äpfel. Der Feldsalat stammt jetzt aus heimischem Anbau und die ersten frischen Kohlsorten, allen voran der feine Spitzkohl, sind auf dem Markt zu finden.



Am letzten Wochenende gab es zur Einstimmung bei uns die erste Kürbissuppe.

Kürbis ist mit gerade mal 25 kcal pro 100 g ein schlankes Gemüse. Dazu liefert er viel wertvolles Beta-Carotin (für Haut und Augen), Mineralstoffe wie Calzium, Magnesium, Eisen und Kalium sowie jede Menge Ballaststoffe für eine gesunde Darmflora. Ich verwende gern den orangefarbenen Hokkaido-Kürbis. Der Vorteil ist, dass man ihn nicht schälen muss. Etwas milder im Geschmack ist der cremefarbene Flaschen- oder Butternut-Kürbis. Das Rezept habe ich hier für Euch zum Download hinterlegt! Es lässt sich beliebig variieren. So bekommt die Suppe durch Zugabe einer frischen Mango, einem geriebenen Apfel oder einer Handvoll getrockneter Aprikosen (vorher in Wasser einweichen!) eine fruchtige Note. Wer es gern vegan mag, verwendet statt Crème fraîche einfach Hafersahne oder Kokosmilch. Und wer möglichst kalorienarm schlemmen möchte, der lässt die Sahnevariante und die Kürbiskerne einfach weg. Guten Appetit!


Maronen sind mein zweites Lieblingsgemüse im Herbst. Obwohl sie ja nicht wirklich zum Gemüse gezählt werden, denn sie sind sehr stärkehaltig und zählen damit eher zur Kategorie der Kartoffeln und stärkehaltigen Lebensmittel. Gerade ihr Stärkeanteil sowie auch der Gehalt an Ballaststoffen machen sie zu einem prima Sattmacher. 100 g Maronen enthalten etwa 190 kcal. Damit sind sie wesentlich leichter als so manche Nussmischung. Und auch für den bald anstehenden Besuch auf dem Weihnachtsmarkt kann man sich die Maronen schon einmal vormerken. Im Gegensatz zum Spießbraten oder zum Schmalzgebäck ist eine Tüte heiße Maronen dort auf jeden Fall die gesündere Alternative.

Die Esskastanien, die wir im Gemüseladen kaufen können, stammen hauptsächlich aus Mittelmeerländern. Aber Augen auf: Ach hierzulande findet man in Parks oder auf Wiesen häufig Maronenbäume. Wenn die Maronen Anfang Oktober reif sind, kann man sie beim Spazierengehen einfach einsammeln und zu Hause zubereiten.

Meine Maronen aus dem Ofen ließen sich bislang immer schwer schälen. In diesem Jahr habe ich folgenden Trick ausprobiert: Die Maronen auf einer Seite kreuzförmig mit einem spitzen Messer einschneiden. Etwa eine Stunde in kaltem Wasser einweichen, dann etwas Salz zugeben und die Maronen mit dem kalten Wasser zum Kochen bringen. Wenn das Wasser kocht, die Maronen abgießen und auf einem Backblech verteilen. Im vorgeheizten Backofen bei 200°C etwa 20 Minuten backen (je nach Größe der Maronen). Durch die Vorbehandlung ließen sich die Maronen dieses Mal samt der dünnen braunen Innenhaut wunderbar leicht schälen.

Dazu gibt es bei mir meistens einen frischen Feldsalat, ein Stück herzhaften Käse und/oder rohen Schinken und - wer mag - ein Glas Rotwein.


Die Apfelernte ist gerade erst abgeschlossen. Im Schrebergarten sieht man aber immer noch die letzten Äpfel an den Bäumen hängen. Wer Glück hat und von Freunden mit Garten eine Kiste naturbelassener Äpfel ergattern kann, kann daraus jetzt wunderbares Apfelkompott für den Winter kochen. Ich koche mein Kompott mit ganz wenig Zucker und einer guten Prise Zimt und Vanille. Köstlich! 

Und in der Tiefkühltruhe sind schon diverse Bleche Apfelkuchen aus Quark-Öl-Teig gelandet, die im Winter Stück für Stück im Ofen aufgebacken werden.


Feldsalat ist ein klassischer Wintersalat, den es ab Oktober aus dem Freiland zu kaufen gibt. Er schmeckt nicht nur kräftig nussig, sondern enthält auch weniger Nitrat als sein Kollege aus dem Treibhaus. Zwar macht er beim Putzen etwas Arbeit, denn er muss gründlich gewaschen und die kleinen Wurzeln entfernt werden. Der Geschmack und seine großartigen Nährwerte belohnen jedoch die Arbeit. Feldsalat enthält nämlich eine große Portion Eisen und Folsäure, die besonders für Frauen interessant sind. Außerdem ist er reich an Beta-Carotin, Magnesium und Calcium. In 100 g stecken sogar sagenhafte 35 mg Vitamin C! 

Er sollte möglichst rasch nach dem Einkauf gegessen werden, damit er schön knackig bleibt und die vielen wertvollen Inhaltsstoffe auch erhalten bleiben.

Ich bereite ihn gerne mit einer klassischen Vinaigrette aus Himbeeressig, Oliven- und Walnussöl zu. Dazu gibt es geröstete Sonnenblumenkerne oder Walnüsse sowie getrocknete Tomaten, Schafskäse, Ziegenkäse oder gebratene Pilze. Wer es herzhaft mag, kann den Feldsalat mit Schinkenwürfeln oder Hähnchenbrust verfeinern. Eine fruchtige Note geben frische Feigen, Weintrauben oder leicht angedünstete Apfelwürfel.


Auf den Herbst einstellen


Meine Tochter fragte mich letztens, warum ich die kalte Jahreszeit eigentlich nicht so gern mag. Ich musste kurz darüber nachdenken und habe für mich eine ganz interessante Entdeckung gemacht. Früher, als mein Leben und mein Terminkalender noch nicht so durchgetaktet waren wie heute, habe ich mich - wenn es früh dunkel wurde - ganz oft mit einer heißen Tasse Tee, einer warmen Decke und einem Buch auf die Couch gesetzt und es mir gemütlich gemacht. Ein paar Kerzen und schöne Musik gehörten auch dazu.


Mittlerweile ist der Herbst und seine anschließende Vorweihnachtszeit für mich fast zur stressigsten Zeit des Jahres geworden. Die Arbeiten fürs Jahresende und die Planung fürs nächste Jahr stehen an. Der Kindergeburtstag Ende November muss organisiert werden und die ersten Großeltern und Paten fragen nach möglichen Weihnachtsgeschenken und den nächsten Besuchsterminen. Weihnachtsfeiern, Adventsbasteln, Adventskalender bestücken, Karten fürs Weihnachtsmärchen besorgen, die letzten Seminare vorbereiten und schonmal ein paar Weihnachtskarten drucken...


Es ist absurd: Gerade in der Zeit, in der die Natur sich zurückzieht und Kräfte sammelt fürs nächste Frühjahr, da drehen wir Menschen so richtig auf, packen uns den Kalender mit Terminen voll und wollen schnell noch alles nachholen, was wir bisher im Jahr nicht erledigt haben.


Ich habe daraufhin beschlossen, in diesem Jahr da nicht mehr mitzumachen, und mir ein paar Alternativen überlegt!

Statt irgendwo zum Adventsbasteln hinzufahren, zünden wir nachmittags eine Kerze an und lesen mal wieder eine Geschichte vor. Was ich in diesem Jahr nicht erledigen kann, schreibe ich mir einfach fürs nächste in den Kalender. Ist doch gut, wenn mir bis zum Beginn des nächsten Sommers nicht langweilig wird. Und wenn zwischen zwei Herbststürmen die Sonne herauskommt, dann schnappe ich mein Kind, und wir machen einen Spaziergang im Park und suchen bunte Blätter und Kastanien! Daraus basteln wir dann zu Hause lange Kastanienketten und lustige Männchen. Am Wochenende probieren wir mit der ganzen Familie leckere Herbst-Rezepte aus. Und am Kindergeburtstag, da können wir alle zusammen Plätzchen backen und uns auf Weihnachten freuen.


Zwischendurch gönne ich mir Zeit ganz für mich alleine, z.B. mit einer schönen Meditation bei Kerzenlicht. Vielleicht buche ich mir auch eine wohltuende Massage oder setze mich einfach mal einen Nachmittag mit einem neuen Buch und einem Tee auf die Couch.


Ja, der Herbst hat wirklich schöne Seiten, wenn man ihn bewusst wahrnimmt, ihn annimmt und ihn so sein lässt wie er nunmal ist. Wenn man mit offenen Augen durch die sich wandelnde Natur läuft und - wenigstens zeitweise - mal aussteigt aus dem Termin-Wahnsinn.


Ich glaube, ich vermisse den Sommer jetzt schon gar nicht mehr so doll!


Ich wünsche allen eine schöne, bewusste und entschleunigte Herbstzeit!

copyright by FOOD COACHING Nicole Hoenig, Eppendorfer Landstraße 98d, 20249 Hamburg

letzte Aktualisierung: 2.7.2020