copyright by FOOD COACHING Nicole Hoenig, Eppendorfer Landstraße 98d, 20249 Hamburg

letzte Aktualisierung: 10.1.2020

Der Mythos vom bösen Weizen

Aktualisiert: 16. Aug 2019


Ratgeber hatten schon immer einen guten Absatz. Vor allem dann, wenn es um das Thema gesunde Ernährung geht und der Titel die Aufdeckung eines kleinen bis mittelgroßen Skandals verspricht. So geschehen in letzter Zeit zum Thema Brot und vor allem Weizen. "Warum Weizen dick und krank macht", "Dumm wie Brot" oder "Wie der Weizen uns vergiftet" sind nur einige dieser absatzstarken Titel. Darin geht es vor allem darum, dass der hohe Konsum von Weizenprodukten wie Brot, Brötchen und Nudeln die Entstehung zahlreicher Krankheiten verursacht, z.B. Adipositas, Diabetes, Alzheimer, ADHS, Tourette-Syndrom, Rheuma, Arthrose und so weiter. Außerdem soll Weizen das Herz, das Gehirn und die Haut schädigen, durch morphinhaltige Inhaltsstoffe süchtig machen und die Demenz-Erkrankung fördern.

Glücklicherweise sind diese Behauptungen und Thesen alle rein pseudowissenschaftlicher Natur. Die Autoren vermischen verschiedene Sachverhalte, missinterpretieren Studien und ziehen daraus ihre fadenscheinigen Schlüsse. Experten sind sich sicher, dass an all diesen Theorien nichts dran ist. Im Gegenteil ist zum Beispiel trotz steigenden Weizenkonsums die Herzinfarktrate in den letzten 20 Jahren um etwa 50 % gesunken.


Brot erfüllt vielfältige Funktionen in unserer Ernährung. Eine pauschale Ablehnung von Brot ist daher sachlich falsch. Vielmehr kommt es auf die individuelle Situation und auf die Zusammensetzung der Nahrung an.

Wissenschaftlich ist es also nicht haltbar, dass der Weizen für die Entstehung der genannten Krankheiten verantwortlich ist. Weizen gehört seit etwa zehntausend Jahren zur Ernährung des Menschen und ist weltweit eins der wichtigsten Grundnahrungsmittel.

Richtig ist allerdings, dass Weizen zu den allergenen Lebensmitteln gehört. Und durch den steigenden Konsum von Fertiglebensmitteln nehmen Verbraucher heutzutage immer mehr Gluten auf, ein Weizeneiweiß, das zu Unverträglichkeiten führen kann und Auslöser der Zöliakie ist. Auch eine nicht allergische Weizensitivität wird beobachtet, deren Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Müdigkeit, Leistungsschwäche und allgemeine Beschwerden denen einer Allergie oder Zöliakie ähneln, ohne dass eine Immunreaktion zu verzeichnen ist.

Wer den Verdacht hat, dass er auf den Genuss von Weizenprodukten in irgendeiner Form reagiert, sollte einen Arzt zur Abklärung und genauen Diagnose aufsuchen. Eine Ernährungstherapie stellt dann sicher, dass trotz eines Verzichts auf Weizen eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung gewährleistet wird. Für alle anderen ist der Kauf teurer, glutenfreier Produkte nicht nötig. Eine Propaganda gegen den Weizen wird nämlich gern genutzt, um den Verkauf solcher teurer Produkte anzukurbeln.

#Unverträglichkeit #Gluten #Gesundheit #Verdauung #Darm #Essen